50. Caravan Salon Düsseldorf 2011

So. Das war es also. Unser erster Besuch auf dem Caravan Salon in Düsseldorf. Inspirierend und irgendwie ernüchternd. Besonders erschreckend ist, wie viele Grundrissvarianten, Designvarianten, Farbvarianten, Formen, Größen, Marken und Sonderlösungen präsentiert werden, die irgendwie trotzdem alle gleich sind. Fakt ist, fast alle Wohnwagen und Wohnmobile sehen innen annähernd identisch aus. Holz. Puffige Polster. Möbelhausstyle. Gleich ob man 9.999 oder 150.000 Euro ausgibt. Echte, polarisierende Designvarianten sieht man faktisch gar nicht. Lediglich einzelne Konzepte lassen hoffen – ernüchtern jedoch beim näheren hinsehen. Wir haben uns natürlich auf die Design Camping relevanten Objekte konzentriert.

Hobby Premium
Der neue Hobby Premium besticht vor allem von außen. Sein automotives Design lässt sich schön ansehen und auf die Außenhülle aktuelle Designlinien. Ich bin gespannt auf den Innenbereich und betrete die Stufen rauf zum Premium. Zwei Stufen – ich bin drin. Und das Gefühlt? Ernüchternd. Erschreckend. Langweilig. Was von außen so spannend beginnt, endet im Inneren langweilig und bekannt. Puffige Polster im klassischen Möbelhausdesign, Raumaufteilungen für Paare und Rentner und dominierende Holzfarben stellen klar, dass ich nicht die Zielgruppe für dieses neue “Premiumprodukt” bin. Gesamteindruck: Der Premium wirkt von außen wie die caravanisierung eines Audi Q7. Sportlich. Dynamisch. Modern. Von innen wirkt er eher wie eine Möbelausstellung beim großen Möbelhaus um die Ecke. Die Verarbeitung ist hochwertig und überzeugt. Hier hat Hobby alles richtig gemacht. Im gesamten: Ein neues Modell mit alten Werten. Der Design Camping Freund wird sich hier sicherlich nicht hundertprozentig wiederfinden.

Knaus Deseo
Der Knaus Deseo ist zwar nicht neu, aber ich habe ihn hier das erste Mal in natura gesehen. Auf Campingplätzen ist er nicht oft anzutreffen und beim betrachten wird mir schnell klar warum. Ein vorweg: Im großen und ganzen ist das Konzept stimmig. Besonders weil es bewusst vom klassischen Innenraum abweicht. Das große Aber ist jedoch die einfache und oft billig wirkende Umsetzung. Warum wird die Kassettentoilette nach innen entleert? Warum sind die Dekore trotzdem wieder aus Holz, gepaart mit langweiligem Grau? Warum hat das Bad kein Waschbecken? Ein Grundpreis von gerade mal knapp 11.000 Euro lässt natürlich nicht viel Spielraum, gerade dann sollten aber clevere Lösungen überzeugen. Fazit: Auch nach dem ersten Eindruck ist dieser Wohnwagen eindeutig das interessanteste, junge Konzept auf dem Markt. Leider wurden an ein paar Stellen gespart wo es nicht hätte sein müssen. Und nachdem “Deseo” auf spanisch “Ich wünsche” heißt, wünsche ich mir hier ein bischen mehr Detailliebe und hochwertigere Anmutung. Hier steckt mehr drin!

Knaus Lifestyle
Der Knaus Lifestyle war mein eigentlicher Favorit. Und was soll ich sagen: Es wird eine Hassliebe. Tolle Aufteilung, inspirierende Ideen, Wohnkultur im Wohnwagen. Der richtige Weg. Der haptische und qualitative Eindruck lässt allerdings einiges zu wünschen übrig. Oberflächen wirken unwertig, Der Lattenrost klapprig, der PVC-Fußboden erinnert an Krankenhaus und der Kühlschrank wirkt mit seinem nach innen liegendem Lüftungsgitter grob und improvisiert. Die Stockbetten werden mit einem Vorhang geschlossen und bieten keinen Rausfallschutz. Die Stoffe und Polster wirken luftig, leicht und unwertig. Im Lifestylecaravan gibt es nur gegen Aufpreis und mit Duschvorhang (!) eine Dusche. Alles in allem ein hochinteressantes Konzept mit frischen Ansätzen. Leider für fast 18.000 Euro in der Grundausstattung einfach zu viel Schnick-Schnack und zu wenig echter Lifestyle. Schade. Aber ausbaufähig. Und mit Abstand das frischeste Produkt auf der Messe!

Knaus Tourer
Der Knaus Tourer ist definitiv die spannendste Neuvorstellung, die auf der Messe jedoch ein wenig untergeht. Das neue Kooperationskonzept von Knaus und Volkswagen geht endlich den konsequenten Schritt, Zugfahrzeug und Wohnanhänger zusammenzubringen. Wen verwundert es da, das die Idee und das Konzept nicht von den großen Herstellern, sondern von einem Designbüro kommt. Genauer gesagt von h&h design aus Hagen. Umso erfreulicher ist es, das Knaus und Volkswagen sich der spannenden Idee angenommen und daraus ein serienreifes Produkt geformt haben. Laut Knaus wird es ab Juli 2012 ausgeliefert werden. Grundidee ist es, dem VW Multivan T5 einen passenden Wohnanhänger ans Heck zu stellen. Bestellbar in der gleichen Farbe wie die Zugmaschine, mit dem nötigsten ausgestattet und von der Produktsprache an das aktuelle VW-Design angepasst.

Von innen präsentiert sich die Studie online spannender als es das fertige Produkt auf der Messe final ist. Trotzdem schön gemacht und alles in allem überzeugend. Durch die Kombination wird aus dem VW-Bus ein vollwertiges Campingfahrzeug mit all den Bequemlichkeiten, die das modernen Camperleben zu bieten hat. Nur der Preis ist für einen doch recht kleinen Wohnwagen mit gerade mal 425 cm Nutzlänge und 629 cm Gesamtlänge und einfacher Grundausstattung doch recht anspruchsvoll. In der Serienausstattung soll der Knaus Tourer 18.790 Euro kosten. Dazu muss natürlich noch das passende Zugfahrzeug und das kann bekanntlich mit mehreren zehntausend Euro zu Buche schlagen. Final kann man dafür natürlich auch schon ein gut ausgestattetes Wohnmobil kaufen. Muss dabei aber auf die separierte Nutzung verzichten. Für Besitzer eines T5 also durchaus spannend. Als komplette Neuanschaffung muss nochmal genau gerechnet werden.

Knaus Schwalbennest
Niedlich. Downshifting. Retro. Der Minimalwohnwagen im Retro-Design überzeugt sowohl in Qualität als auch in der Umsetzung der alten Produktwerte in das neue Zeitalter. Die Details sind verspielt und schön anzusehen und man kann sich romantische Nächte und eine neugewonnene Nähe im kleine Schwalbennest gut vorstellen. Und der Jubiläumskomplettpreis von 5.990 Euro macht noch mehr Freude. Gratulation Knaus, habt ihr gut gemacht!

Sonstiges
Natürlich gab es zahlreiche Neuvorstellungen, alte Bekannte und Zubehörprodukte auf dem diesjährigen Caravansalon. Besonders gefallen hat mir, den Space Camper mal in natura zu begutachten. Spannendes Ausbaukonzept für den VW T5 das auch in echt überzeugt. Auch der in der Fachpresse bereits oft beschriebene Freecamper für das Campen auf dem Wasser macht in echt eine gute Figur. In der folgenden Gallerie finden sich noch einige Inspirationen von der Messe. Am Ende also doch gar nicht so trist wie anfangs erwartet.

Fotos: DI’KE Design Camping

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