Kolume: Mittagsruhe

Waging am See. 32 Grad Celsius und die Luft ist zum schneiden. Wir haben uns gegen 12:30 Uhr zu unserem temporären Domizil zurückgequält und fallen erschöpft in die Stühle unter dem blauen Sonnensegel. Das Mittagsmahl fällt aufgrund der Hitze übersichtlich aus, fast schon reduziert. Kaltes. Eingelegtes. Frisches. Im Klartext kalte Pasta vom Vorabend, Oliven und eingelegter Sellerie aus dem Glas und frische Äpfel, Trauben und Pfirsiche. Dazu ein paar dieser schlechten Kohlenhydrate in Form von Brot. Die Kinder Essen wie zu erwarten war kurz und knapp – Steffi und der Kleine fallen auf dem Bett im Wohnwagen hin und schlafen sofort ein. Zu groß die Hitze und das Geleistete. Die Große malt erfreulich vertieft am Tisch unterm Sonnensegel. Konzentriet und gewissenhaft.

Mittlerweile ist es kurz nach 13 Uhr. Erst jetzt, wo alle versorgt, beschäftigt und eingeschlafen sind, fällt mir diese Ruhe auf. Unbeschreiblich toll! Auf diesem Campingplatz am angeblich wärmsten See Deutschlands – der am Rande bemerkt kein Design Camping Platz wird, dafür ist er einfach zu Mainstream – mit mehreren hunderten Campern herscht absolute Ruhe. Wie wenn jemand den Strom abgestellt hat. Das Treiben des Vormittags ist vorbei, alle haben sich zurückgezogen und genießen die verordnete Pause am Mittag. Mir ist bis heute noch nicht aufgefallen, das diese Ruhe in der Mittagsruhe auf Campingplätzen wirklich etwas ganz Besonderes ist. Sozusagen ein Kleinod unserer hektischen Zeit. Keine Autos. Keine Radios. Kein Ferneshen. Keine Türklingel, keine kreischenden Nachbarskinder, keine zu erledigenen Arbeiten im Haus. Kein “Ich müsste noch…” und “Jetzt wäre Zeit für…” – einfach nur Ruhe. Selten gewordene Ruhe im so schnellen und lauten Alltag.

Ich vergese sogar mein so lieb gewordenes IPad und werde erst gegen 14:30 Uhr aus meinen Gedanken gerissen. Anscheinend geht es mehreren Meiner vorübergehenden Nachbarn wie mir: Erst eine halbe Stunde nach dem offiziellen Ende der Mittagsruhe kehrt wieder Leben in meiner Campinggasse ein. Die ersten Kinder sind aus ihrem Mittagsschlaf aufgewacht, Familien brechen auf zum erfrischenn Bad im See.

Danke für diesen wunderbaren Mittag. Danke für diese entspannende und inspirierende Ruhe. Es stimmt also doch: Camping entspannt. Sicherlich nicht immer, aber manchmal in besonders schönen Momenten.

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