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Kolumne: Wo sind nur die Campingbücher?

Am letzten Samstag war es mal wieder Zeit mit der Familie einen ausgedehnten Aufenthalt im Buchladen abzuhalten. Das Wetter war nass-kalt und genau richtig um im integrierten Coffeeshop einen leckeren Espresso Macchiato mit Zitronenkuchen zu trinken.Auf der gleichen Ebene wie das Kaffee sind auch die Kinderbücher mit kleiner Spielecke platziert worden. Eine sehr kluge Entscheidung. Unsere drei Kinder sind nur kurz an Essen- und Flüssigkeitsaufnahme interessiert und gehen dann gleich wieder zum Stöbern in die Kinderecke.

Ich erkenne den Moment, ergreife Ihn und begebe mich in die Reisebücherabteilung. Wer selber Kinder hat und dazu noch drei wird nachvollziehen können, das diese Momente selten sind. Sie sind gewissenhaft und gut zu nutzen. Die Reisebuchabteilung überstreckt sich auf acht Regale und 3 Tiefablagen mit aktuellen und empfohlenen Titeln. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Für die Abenteuerreisenden, die Pauschaltouristen, die Backpacker und Zufallsreisenden. Für Menschen, die nicht reisen wollen und lieber die Reiseberichte von anderen lesen. Für Wanderer, Radfahrer und Tramper. Für Familien, Singles und Kinder. Für Regionalreisende und die Internationalen. Und natürlich auch für Camper.

Aber wo sind die Campingbücher? Ein paar liegen auf der Auslage. Vor allem Stellplatzführer. Vom großen, deutschem Automobilclub und dem niederländischen Marktführer. Tödlich langweilig und höchst unemotional. Mir kommen diese Stellplatzführer immer vor wie der Auktionskatalog für alte chinesische Ware. Viele kleine Bilder, Text, Piktogramme und Schulnoten. Mir vergeht die Lust. Im Regal finde ich dann doch noch die Campingabteilung. Ganze 12 Bücher stehen hier. Zweimal „My cool caravan“. Einmal der alternative Stellplatzführer für den bayerischen Wald. Und wieder ein paar Stellplatzführer. Das war es. Was geht denn nur im Kopf der Einkäufer dieser großen Buchhandelskette vor? Gibt es nicht genügend Camper, die Bücher lesen? Gibt es nicht genügend Bücher über das Camping?

In Deutschland wurden laut Wikipedia 2012 7,5 Millionen Gästeankünfte (5% mehr als 2011) auf deutschen Campingplätzen mit insgesamt 26,1 Millionen Übernachtungen gezählt. Laut dem deutschen Tourismusverband lag der Umsatz in Deutschland im Jahr bei fast 12 Milliarden €.

Gerade habe ich „Alles Azzuro“ von Markus Göttings gelesen. Eine wunderbare, echte Geschichte über die Hochzeitsreise zum Familienwohnwagen der Braut nach Apulien. Leichte Kost, aber durchaus unterhaltend und man erkennt sich auch als Design Camper in der ein oder anderen Situation wieder. Auch die Cool Camping Bücher machen Lust auf mehr. Potential gibt es genug um über, mit und für das Camping zu schreiben. Letztendlich sind es wohl die Verlage die das Thema für sich entdecken müssen um für mehr Bücher rund um das Camping zu sorgen.

Ich freu mich am Ende über ein neues Buch, das zwar mit Reisen zu tun hat, aber weniger mit Camping. Die Kinder finden auch das passende für die Gute-Nacht-Geschichte und nach zwei Stunden verlassen wir den Buchladen. Meine Frau und ich denken über das Minderangebot an Campingbücher nach. Evtl. müssen wir selber mitarbeiten am Campingbuchbestand. Wer weis, vielleicht wird aus den Kolumnen ja mal ein Buch. Wir werden sehen.

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